Bolivien und Klimawandel

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Quelle: wikimedia

Bolivien ist ein Binnenstaat in Südamerika, der im Westen an Peru und Chile, im Süden an Argentinien und Paraguay sowie im Osten und Norden an Brasilien grenzt. Etwas über 50 % der 10,6 Mio. Einwohner*innen sind Angehörige indigener Völker, meist Quechua (30,7 %) und Aymara (25,2 %). Gut 30 % der Bevölkerung sind sog. Mestizen. Die übrigen Bewohner*innen des Landes sind Nachkommen der aus Afrika entführten und versklavten Menschen und verschiedener Einwanderungswellen aus Europa, Japan und China. Die europäischen Einwanderer brachten die heutige Amtssprache Spanisch mit. Daneben gilt in jeder Region noch mindestens eine der 36 lokalen indigenen Sprachen als Amtssprache. Die Spanier brachten ebenfalls den katholischen Glauben mit: Heute sind der Großteil der Bevölkerung Katholiken; 19 % hängen einer protestantischen oder evangelikalen Glaubensrichtung an.

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Quelle: pixabay

Bodenschätze

Trotz seines Reichtums an Bodenschätzen (früher vor allem Silber und Zinn) ist Bolivien eines der ärmsten und am schwächsten entwickelten Länder Südamerikas. Zwar sind seit 2007 wichtige Fortschritte in der Bekämpfung der extremen Armut zu verzeichnen, aber gut 40 % der Bevölkerung leben noch immer in Armut, über ein Fünftel haben sogar weniger als einen Dollar am Tag und gelten somit als extrem arm. Das betrifft sowohl die Land- als auch die Stadtbevölkerung. Aktuell verschärfen die Folgen des Klimawandels diese Situation noch.

Klimawandel
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Quellen: pixabay; wikimedia

2014 wurde Bolivien von Germanwatch im sog „global climate risk index“ auf Platz neun der am meisten unter dem Klimawandel leidenden Länder aufgelistet (Germanwatch, November 2015: Global climate risk index). Steigende Temperaturen führen zum Beispiel zum Auftreten von Malaria im Hochland und zum Abschmelzen des Chacaltaya-Gletschers. Der ehemals 30 Kilometer von La Paz entfernt gelegene Gletscher galt als beliebtes Skigebiet. Somit hat der Skitourismus große Verluste zu verzeichnen, Arbeitsplätze werden abgebaut und die Armut steigt.
In den letzten zehn Jahren sind die Regenfälle, die das Klimaphänomen El Niño mit sich bringt, entweder zu stark oder zu schwach, bringen zu viel oder zu wenig Regen. So kommt es im Amazonasgebiet, wo die Niederschläge mittlerweile um 15% zugenommen haben, regelmäßig zu großflächigen Überschwemmungen.

Im südlichen Chaco hingegen verspätet und reduziert sich der Regen, die Folge sind Dürren und Plagen. Besonders betroffen sind davon die Landwirtschaft und Viehzucht, massive Ernteausfälle sind die Folge. Vielen betroffenen Familien entziehen Dürre und Überschwemmungen die Existenzgrundlage.

Dies wiederum führt zu Landflucht: Junge Leute suchen Arbeit und Perspektiven in den Städten. Alte, Kranke, Frauen und Kinder bleiben nicht selten unzureichend versorgt auf dem Land zurück.

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Quelle: wikitravel.org

Der Mangel an sauberem Trinkwasser und der (erfolgreiche) Kampf des Landes gegen die Privatisierung von Wasser gehören zu den großen Umweltthemen in Bolivien. Ende November 2016 rief Bolivien aufgrund schweren Wassermangels den Notstand aus. In dem Jahr hatte Bolivien die schwerste Dürre seit 25 Jahren sowie das heißeste Jahr seit hundert Jahren erlebt, drastische Wassersparmaßnahmen mussten verhängt werden. Die Austrocknung Boliviens zweitgrößter See, der Lago Poopó, und Proteste in La Paz und ländlichen Regionen, waren die Folge.

Anschaulich und eindringlich behandelt der sehr empfehlenswerte Kinofilm „…und dann der Regen“ die Bedeutung und den Umgang mit der Ressource Wasser in Bolivien.

Allgemeine aktuelle Länderinformationen

Auswärtiges Amt
Wikipedia
Die Welt in Zahlen
Länderinformationsportal

Bolivien und die Folgen des Klimawandels
Klimazeugin Lucia Quispe aus Khapi
Katastrophenvorsorge
Die Zeit: Trockenheit und Erosion
Tagesschau: Bolivien ruft Katastrophenfall aus
Klimazeugin Andrea Guzmán
Klimawandlerinnen in Bolivien