The Hathi Show

Bihar und die Elefanten

Bihar war früher Indiens „Elefantenstaat“ (so wurde er genannt). Viel Dschungel, und viele Elefanten. Die Elefanten waren auch ein wichtiger Teil der Kultur – die Menschen lebten eng mit ihnen zusammen und nutzten sie als Lastträger und Arbeitskräfte. Es gibt den Beruf des Elefantenführers (Mahut), der mit den Elefanten kommunzieren kann, sich um sie kümmert und mit ihnen lebt. Er schläft tatsächlich auch bei ihnen. Wenn Inder einen lebenden Elefanten sehen, freuen sie sich riesig – nicht nur die Kinder. Wenn man selbst so einem majestätischen Tier Auge in Auge gegenübersteht und von einem ganz besonderen Gefühl erfasst wird, versteht man auch warum. In Indien ist der Elefant ein Glückssymbol. Ganesha, der Gott mit Elefantenkopf, steht für das Glück.

Viel Wald gibt es aber in Bihar nicht mehr. Wo früher Dschungel war, ist jetzt staubigaugee Wüste. Die Einheimischen selbst haben die Bäume abgeholzt, nachts, heimlich, um sie für den Möbelbau in die Städte zu verkaufen. Nur den kurzfristigen Gewinn im Sinn, ohne die Langzeitschäden zu ahnen. Exemplarisch für überall auf der Welt. Ist uns ja auch hier im „Westen“ nicht unbekannt, diese Haltung. Mit dem kleinen Unterschied, dass es dort bei dem „kurzfristigen Gewinn“ meist weniger um die Anhäufung von Luxus ging, sondern eher ums nackte Überleben. Bihar ist der ärmste Bundesstatt Indiens, und wer nichts zu essen hat, fällt eben Bäume um sie zu verkaufen. Auch wenn danach der Boden vertrocknet und noch weniger Essen wächst. Es wird halt nicht nur der Lebensraum der Elefanten zerstört, sondern unser aller Lebensraum. Nur an den Elefanten sieht man es früher.

Jetzt leben in ganz Bihar nur noch 17 Elefanten. Grund genug, die Elefanten zum Thema einer Theatershow zu machen. Als Berater konnte die Organisation „Aerawat“ gewonnen werden, die sich für die Rettung der Elefanten in Bihar einsetzt.  Einen wirklich artgerechten Lebensraum können sie derzeit noch nicht zur Verfügung stellen. Ihr Ziel ist es, eine Art „Elefantendorf“ zu errichten: ein Stück Wald wieder für die Elefanten bewohnbar machen, wo diese frei herumlaufen können und ihre Ruhe vor den Menschen haben.

In der „HaUnbenanntthi-Show“  kommen die Menschen am Schluss zur Vernunft und beginnen wieder Bäume zu pflanzen. In Bodhgaya gibt es immerhin einige privat initiierte Aufforstungsprojekte. Siddharta Kumar, der Besitzer eines Guesthouses und Initiator weiterer vier  sozialer und ökologischer Projekte, hat auf einem Stück Wüste in einem entlegenen Dorf einfach Bäume gepflanzt und sich nicht um die irritierten Blicke und Kommentare der Einheimischen gekümmert, die ihn für verrückt erklärten. Mittlerweile sind die Bäume gut angewachsen und Siddharta ist in dem Dorf sehr beliebt. Seine Motivation: Er möchte die Kinder wieder unter den Bäumen spielen sehen. Die Menschen sind seien so entfremdet von der Natur, sie hätten sogar Angst vor ihr. Nun möchte er eine „Wald-Schule“ gründen, wo die Kinder draußen in der Natur lernen und altes, verloren gehendes Wissen wieder lernen, z.B. über Heilpflanzen. Ein weiteres Baumpflanz-Projekt wurde von anderen Engagierten gestartet entlang sämtlicher Landstraßen bis 50 km um Bodhgaya gestartet. Hier wurden hauptsächlich Obst- und andere Nutzbäume gepflanzt und den Menschen erklärt: „Ich gebe euch die Bäume, und sie geben euch ihre Früchte. Aber ihr müsst sie pflegen, damit sie wachsen!“