Klimagerechtigkeit

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Der Klimawandel, der neben der Bekämpfung von extremer Armut und Hunger zu den größten Herausforderungen der heutigen Zeit gehört, ist nicht „schicksalshaft“, sondern von Menschen gemacht – darin sind sich so gut wie alle Klimaforscher*innen einig. Er ist kein reines Umwelt-, sondern vielmehr ein Entwicklungs- und Menschenrechtsproblem und berührt ganz zentrale Fragen einer globalen Gerechtigkeit – eben der Klimagerechtigkeit!

Klimagerechtigkeit in der Politik
Der Begriff Klimagerechtigkeit ist relativ neu. In der öffentlichen politischen Debatte wurde er erstmals im Jahr 2007 eingeführt und als einer der Grundpfeiler der zukünftigen, weltweiten Klimapolitik definiert. Er ersetzte den zuvor häufiger verwendeten Begriff der „Kohlenstoffgerechtigkeit“. Auf dem Klimagipfel 2012 in Kopenhagen wurden drei Dimensionen der internationalen Klimagerechtigkeit festgemacht. Zum einen soll das Überleben aller Staaten durch das sog. „2°C-Ziel“, d.h. die Begrenzung der Erderwärmung auf max. 2° Grad, gesichert werden. Zum anderen sollen die durch den Klimawandel ausgelösten Lasten international gerecht verteilt werden. Und schließlich sollen alle Staaten die Möglichkeit einer gerechten Beteiligung an den klimapolitischen Transformationen und den damit verbundenen Chancen  haben.
Um nachhaltige Lösungen zur Bekämpfung der Folgen des Klimawandels global und gerecht umzusetzen, müssen alle drei Dimensionen zusammengeführt werden, d.h. Lasten, Risiken und Chancen des Klimawandels müssen gerecht und fair unter den Staaten der Erde verteilt werden. Auf der Grundlage dieser Überlegungen wurde im Dezember 2015 auf dem Klimagipfel in Paris (COP21) von der Staatengemeinschaft ein Klimaabkommen beschlossen, das die Begrenzung der globalen Erwärmung auf deutlich unter 2 °C, möglichst auf 1,5 °C, vorsieht.
Während sich das alles recht sachlich und nüchtern liest, sind die tatsächlichen Folgen der feststellbaren klimatischen Veränderungen auf Menschen in unterrschiedlichen Weltregionen sehr viel dramatischer….

Folgen und Auswirkungen des Klimawandels

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Dass es einen Klimawandel gibt, ist in der Klimaforschung so gut wie unumstritten. Dieser führt u.a. zu Überschwemmungen und Dürren, erhöhte Temperaturen der Luft, des Bodens und der Gewässer, Abschmelzen von Gletschern und Polkappen, Auftauen von Permafrostböden, Veränderungen in den Regen- und Trockenzeiten, größere Intensität von Regenfällen und Stürmen sowie zu einem Anstieg des Meeresspiegels. Eine Zusammenfassung der Auswirkungen des Klimawandels kann man in einem wissenschaftlichen Report des Potsdamer Instituts für Klimafolgenforschung (PIK) nachlesen.
Ebenso einig sind sich die Wissenschaftler*innen, dass die Erderwärmung weitgehend von Menschen, also anthropogen verursacht und auf die Emission sog. Treibhausgase zurückzuführen ist. Aufgrund des Klimawandels ändern sich schon jetzt die Lebensbedingungen für Tiere, Pflanzen und Menschen teilweise dramatisch und werden es in Zukunft noch verstärkt tun.
Hauptverursacher des Klimawandels sind die Industrienationen, die mit ihrem immensen Verbrauch an fossilen Energieträgern und ihrem energieintensiven, konsumorientierten hohem Lebensstandard.für den Großteil der Emissionen von klimaschädlichen Gasen verantwortlich sind. Umgekehrt treffen die klimatischen Auswirkungen vor allem die Ärmsten der land-unter_bangladesh-5Armen, d.h. die ärmeren und marginalisierten Bevölkerungsgruppen in den sog. Least Developed Countries, in afrikanischen Staaten und die Small Island States. Und hier wiederum die Verletztlichsten, wie z.B. indigene Völkern, kleinbäuerliche Landbevölkerung oder Frauen, die besonders abhängig sind von Landwirtschaft, Viehzucht und den dafür notwendigen klimatischen Bedingungen.
Für die Industrieländer in den gemäßigten Zonen könnte der Klimawandel teilweise sogar Vorteile bringen: z.B. durch ein höheres Angebot an Trinkwasser, das bis 2050  prognostiziert wird. Dieses wird jedoch weitgehend wiederum in bereits wasserreichen Regionen und einigen tropischen Feuchtgebiete entstehen, während die Niederschlagsmengen und (Trink-)Wasserverfügbarkeit in Trockengebieten, insbesondere in Afrika, deutlich abnehmen wird.

Der Umgang mit dem Klimawandel ist eine Systemfrage

Während die Industrienationen die letzten Jahrzehnte für den Aufbau ihres immensen Wohlstands genutzt und dabei die Zerstörung des Klimas in Kauf genommen haben, soll den weniger industrialisierten Ländern, die kaum etwas zur Zerstörung des Klimas beigetragen haben, aber stärker den daraus resultierenden existenziellen Risiken ausgesetzt sind, dieser Weg nun zur Bewahrung des Klimas verwehrt werden. In Anbetracht von Hunger und Armut in vielen dieser Ländern ist es nur zu verständlich, dass deren Vertreter*innen für ihre Staaten das gleiche Recht auf wirtschaftliche und industrielle Entwicklung fordern, wie es die Industrieländer seit über 100 Jahren haben. Sie wehren sich dagegen, kostenintensive Umweltauflagen zu akzeptieren, da die umweltpolitiscprotest-455714_1920he Verantwortung bei den historischen Verursachern des Klimawandels läge.
Darüber hinaus ist der vom Klimawandel am stärksten betroffene Teil der Weltbevölkerung oftmals aufgrund mangelnder oder unzureichender  technischer, finanzieller und personeller Kapazitäten und Infrastrukturen kaum in der Lage, passende Klimaschutz- und Anpassungsstrategien zu entwickeln. Die ohnehin bestehende globale Armut und Ungleichheit werden so verstärkt. Zudem sind diese Ländern und Bevölkerungsgruppen (z.B. Indigene, Frauen, Kleinbauern) auf lokaler und internationaler Ebene in den entscheidenden Gremien und Debatten häufig unterrepräsentiert.
Der Umgang mit und die Anpassung an den Klimawandel kann folglich nicht losgelöst von Armutsbekämpfung und Fragen nach globaler Gerechtigkeit diskutiert werden. Es muss endlich gelingen, Klimaschutz nicht nur als technische und finanzielle Aufgabe zu sehen, sondern ihn auch in ökonomischen, gesellschaftlichen und machtpolitischen Zusammenhänge zu stellen. Letztlich geht es beim Klimaschutz um die Systemfrage!
Der auf dem ungehemmten Verbrauch von fossilen Energieträgern beruhende Industrie-Kapitalismus mit seiner aggressiven Wachstumsideologie bietet offensichtlich keine Lösungen.
Wie aber kann die dringend notwendige globale Transformation von der Ära des stark ressourcenverbrauchenden und kohlenstoffintensiven Wachstums in eine Ära des ressourceneffizienten und kohlenstoffarmen Wirtschaftens schnell, global und gerecht für alle Staaten und Menschen vollzogen werden?

 

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Intergenerationelle Gerechtigkeit
Und es sind nicht nur die Menschen im Globalen Süden: Auch die kommenden Generationen werden mit den Folgen klimatischer Veränderungen zu kämpfen haben, zu denen sie nicht oder nur unwesentlich beigetragen haben. Was wir mit heutigem Handeln für nachfolgende Generationen bewirken, sollte verantwortungsbewusst bedacht werden. Es geht nicht nur um globale, sondern auch um eine intergenerationelle (Klima-)Gerechtigkeit.

Lohnenswert und informativ ist ein Blick auf den Environmental Justice Atlas vom Institute of Environmental Science and Technology (ICTA) der Universitat Autonoma de Barcelona: Der Atlas dokumentiert und katalogisiert weltweit mehr als 2000 Fälle von sozialen Konflikte um Fragen der Umweltgerechtigkeit. Er liefert die wichtigsten Fakten zum jeweiligen Fall nebst ergänzenden Hintergrundinformationen und erzählt v.a. die Geschichten von Gemeinschaften, die sich weltweit für Umwelt- und Klimagerechtigkeit einsetzen. Dazu gibt es weitere Karten zu Spezialthemen wie Fracking, Landnahme, Bergbaukonflikte in Südamerika, Umweltgerechtigkeit in Indien u.a.m. Die Fälle sind in Kategorien (wie z.B. Wasser, Müll, fossile Energien, Landnahme, Nuklarenergie, Privatisierung u.a.) sortiert und können länderspezifisch recherchiert werden. 

Für Lehrkräfte haben wir unter Unterricht und Filme Materialien und Kurzfilme zusammengestellt, die sich für einen Einstieg in die Themen Klimawandel und Klimagerechtigkeit und ihrer Bearbeitung mit Schulklassen gut eignen.