Indien und Klimawandel

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Der Ganges bei Varanasi, Indien. Quelle: Pixabay

Mit 1.37 Milliarden Einwohner*innen ist Indien nach China der zweitbevölkerungsreichste Staat der Erde und gehört zu den zehn weltweit größten Ländern. Indien ist eine demokratische Bundesrepublik, bestehend aus 29 Bundesstaaten. Der Staat grenzt im Norden an den Himalaya und wird im Süden vom Indischen Ozean umschlossen. Des Weiteren führen Indiens Grenzen an Pakistan, Tibet, Bhutan, Myanmar, Nepal und Bangladesch entlang. Indien ist sehr dicht besiedelt, doch nicht in allen Gebieten gleich. So leben in Bihar durchschnittlich 1.106 Menschen auf einem Quadratkilometer, in Arunachal Pradesh dagegen nur 17.
Im indischen Staat lebt eine Vielfalt an Ethnien. Den größten Teil machen die Indoarier mit 72 Prozent aus; die Draviden stellen 25 Prozent der Bevölkerung dar. Während im Land über 100 verschiedene Sprachen gesprochen werden, erkennt die Verfassung neben den beiden Amtssprachen Hindi und Englisch nur 21 weitere Sprachen an. Ebenso groß ist religiöse Vielfalt in Indien. Die drei größten Religionen sind Hinduismus, Islam und Christentum.

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Derzeit macht Indien eine rasante wirtschaftliche und technologische Entwicklung durch und strebt zur Armutsbekämpfung ein starkes Wirtschaftswachstum an. Gleichzeitig gehört Indien zu den am stärksten vom Klimawandel betroffenen Ländern. Menschen aus ländlichen Gebieten Indiens sind am meisten von den Folgen des Klimawandels und den Klimaschwankungen betroffen. 34,4% der Bevölkerung – insbesondere in den ländlichen Gebieten –  leben von weniger als einem US-Dollar pro Tag. Sie benötigen natürliche Ressourcen und Ackerfrüchte, deren Wachstum wiederum vom Klima abhängig ist.
Die Mehrheit der indischen Arbeitskräfte ist in der Landwirtschaft tätig. Diese ist, wie überall, stark vom Klima abhängig – insbesondere den Monsun-, d.h. den Regenzeiten. Das Hauptnahrungsmittel in Indien ist Reis. Die Reisproduktion wird primär vom Verhalten des Monsuns bestimmt, denn etwa 86 % der jährlichen Reisernte fällt in die Monsunzeit (Juni-Oktober). Ein verspätetes Einsetzen der Monsunregenfälle führt zu einer deutlichen Reduktion der Reisproduktion. Auch für den Anbau in der Nachmonsunzeit sind die vorausgegangenen Monsunniederschläge wichtig: nur bei reichlichen Niederschlägen sind Bodenfeuchte und Grundwasserspeicher ausreichend hoch für die Winterpflanzen und die Bewässerung. Schwankungen des Monsunniederschlages führen zudem zu weiträumigen Dürren und Überschwemmungen.  Die Veränderung der Monsunzirkulation durch den Klimawandel sind daher von größter Bedeutung für die indische Landwirtschaft. Ernteerträge und Lebensmittelversorgung werden durch klimatische Veränderungen deutlich prekärer.

Durch das Expandieren Indiens steigen dessen CO2-Emissionen rasant. So wird Indien zu einem bedeutenden Mitverursacher des Klimawandels. 2018 war Indien auf Platz 3 (nach China und den USA) der weltweit größten Emittenten (Verursacher) von CO2. Der Pro-Kopf-Ausstoß betrug allerdings mit 1,94 Tonnen immer noch nur etwa ein Fünftel des durchnittlichen Pro-Kopf-Ausstoßes in Deutschland. Aber das wird sich vermutlich schnell ändern:  Der Energieverbrauch auf dem Subkontinent wird binnen der nächsten zwei Jahrzehnte mindestens doppelt so hoch ansteigen, denn Indien will seine Wirtschaftsleistung innerhalb der nächsten fünf Jahre verdoppeln. 2019 war das Land Schauplatz immenser Klimakatastrophen: brennende Wälder und ein Zyklon im Frühjahr, eine Hitzewelle mit Temperaturen bis zu 50Grad, Wasserknappheit und – als der Regen dann kam – schlimmste Überschwemmungen im Sommer (Quelle: Spiegel Online).

Zu den größten Problemen des Landes gehört aber immer noch die Wasserknappheit. Dreiviertel der indischen Haushalte haben kein sauberes Trinkwasser in ihrer Wohnung. Die Wasserversorgung muss durch Staudämme und künstliche Bewässerungssysteme geregelt werden. In einigen Regionen verursachen häufige Überschwemmungen zusätzliche Probleme.
Neben der mangelhaften Wasserversorgung ist vor allem in den Städten der extrem hohe Anteil an Feinstaub, der durch Industrie und Verkehr verursacht wird, ein großes Problem. Wie hier im November 2019 in Neu-Delhi versinken die indischen Millionenstädten alljährlich im Smog:

Die indische Regierung betonte sehr lange, dass die Bekämpfung der extremen Armut im Land oberste Priorität habe. Dieser Kampf könne ohne den schnellen Ausbau billiger Kohlekraft nicht gewonnen werden. Dennoch startete die Regierung im Jahr 2008 den ersten Nationalen Aktionsplan zum Klimawandel, die Verabschiedung weiterer Klimaschutzmaßnahmen folgten. Mittlerweile haben sich viele Institutionen in Indien mit dem Klimawandel beschäftigt und das Land betreibt einen massiven Ausbau der Ökostrom-Produktion. Indien will – genauso wie China – zu einem Vorreiter in Sachen grüner Energie werden und bis 2022 den Anteil der erneuerbaren Energien vervierfachen. Schon heute ist Solarstrom auch in Indien die preiswerteste Stromquelle. Deshalb will die indische Regierung bis 2026 alle Kohlekraftwerke abschalten (Quelle: heise.de)

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Quelle: pixabay

Allgemeine Länderinformationen zu Indien

Länderinformationsportal
♦ Auswärtiges Amt
♦ Wikipedia
Spiegel Online
Bundeszentrale für politische Bildung

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Klimaänderungen und Landwirtschaft Indiens
Klimazeugenberichte aus Indien (deutsch)
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Indiens Klimaschutzziele (2015)