Ein Gruß aus Peru

Arena y Esteras im September 2018 an der Ilse-Löwenstein-Schule in Hamburg

Von Ana Sofia Pinedo, Leiterin der Gruppe Arena y Esteras aus Peru, hat uns Ende November der folgende berührende Brief aus Villa El Salvador erreicht:

liebe*r Ralf, Friderike, Jan, Teresa, Anita
und alle
Freundinnen und Freunde der KinderKulturKarawane !

„Nach einigen Tagen zurück in Peru hat sich unser Körper immer noch nicht wieder an die graue Landschaft hier gewöhnt, an den lauten Verkehr und an den Gestank der sich erhitzenden Abgase. Viele Bilder bleiben uns erhalten: So viel Grün war ein Geschenk an unsere Augen; keine einzige Plastiktüte, die auf den Märkten herumfliegt, und kleine Kinder auf Fahrrädern, die keine Angst haben, angefahren zu werden; zu Fuß zu gehen, ohne Angst haben zu müssen, für ein Handy ausgeraubt oder getötet zu werden. Es freut uns, so viel Freiheit und Farben an den Schulen gesehen zu haben, verglichen mit den grauen Uniformen und der militärischen Autorität der peruanischen Bildung. Sehr viele Unterschiede!

Aber die größte Lektion ist ohne Zweifel, die Solidarität in einer viel weiteren Dimension kennengelernt zu haben. Hier in Villa El Salvador ist solidarisch zu sein vielleicht die einzige Form, unsere Regierungen zu überleben. Deshalb sind Spendensammlungen für eine medizinische Behandlung des kranken Nachbarn oder Gemeinschaftsarbeiten, um einen heruntergekommenen Spielplatz zu verbessern, tägliche Formen des öffentlichen Widerstandes, um die Armut mit Würde anzunehmen – wie ein Schicksal, das unvermeidlich erscheint.

Aber in Deutschland haben wir Menschen gesehen, die „alles haben“ und die aus dieser komfortablen Position heraus das Gleiche für „den Anderen“ suchen. Es ist ein Gesicht, das man nicht kennt, aber eines, das mit Liebe darauf wartet, einem sein Haus zu öffnen, das Bett zu bereiten und Essen anzubieten wie einem guten Freund. Das hat einen enormen Wert, weil das Konzept des „Anderen“ verschwindet. Es ist wie im traditionellen Quechua: Wenn sie dich begrüßen, lautet die Frage nicht: „Wie geht es dir?“ sondern „Geht es uns gut?“ Weil sie sich selbst nicht ohne den anderen vorstellen können, bist du genauso wie ich. So sind wir ayni, eine große Familie, eine Gemeinschaft. So ist es viel einfacher, sich die Erde als unser großes Haus vorzustellen, in dem das Leid des einen der Schmerz aller ist, grausamer als wenn es um ein Kind geht.

So hat die KinderKulturKarawane ein Netzwerk mit gemeinsamen Zielen gespannt, etwas Lebenswichtiges in einer Zeit, die voll ist mit materiellen Gütern, die niemandem gut tun….“

(Der ganze Brief kann hier in deutsch und hier im Originaltext auf Spanisch heruntergeladen werden.)

Ana Sofia, Villa El Salvador
November 2018

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